Ubwingi bwa nshimu bwashimishe umulilo
Als ich vor einem Jahr auf dem Flughafen in Nairobi sass, nach einem Nachtflug eingeklemmt in der Economy Klasse, dachte ich darüber nach was wohl auf mich wartet. Die Erfahrung beim verlassen des Flugzeuges war nicht so besonders, es traf mich kein Schlag, die Luft war normal, nur das Land durch die Fenster war dürr und kahl, und ewig weit keine Berge.
Der nächste Flughafen den ich besuchte war da schon ganz anders, eine Asphaltpiste im Kongo mit händischer Flugsicherheitskontrolle. Als ich dann am Abend das erste Mal in Afrika schlafen ging, dachte ich mir das nun ein Jahr vor mir liegt. Ich war etwas erschlagen von der Vorstellung der langen Zeit.
11 Monate später ist dieser lange Zeitraum wie im Flug vergangen. Ich kann mich noch an das erste Mal ausgehen erinnern, in einem Club der seit damals geschlossen hat. Nun liegt mein Jahr fast hinter mir, der nächste Zivildiener ist am Start und die letzten Projekte müssen abgeschlossen oder übergeben werden.
Ich habe dieses Jahr einige guten Freunde hier gefunden, eine deutsche Voluntärin, zwei sambische Freunde und natürlich meinen Zivildienstkumpanen, Paul. Mit dem ich mich immer noch gelegentlich über meine zerstörte rechte politische Einstellung und seine rechte linke Einstellung streite, aber ich glaube wir haben uns ziemlich gut zusammengerauft. Ich habe das Jahr mit ihm auf jedenfall genossen.
Ich kann noch nicht sagen was sich alles in meinen Ansichten verändert hat? Wo ich radikaler und wo ich liberaler geworden bin? Dazu fehlt mir derzeit der Abstand, und ich denke es ist auch noch nicht Zeit das abschliessend zu bewerten, ich habe ja noch gut 21 Tage. Doch für mich wird es Zeit sich auch langsam auf das Zurückkommen vorzubereiten.
Das ganze Land hat sich für mich geöffnet und gezeigt was für Potential dahinter gesteckt, ich durfte ein riesen Gebiet kennen lernen und überall etwas hinter die Kulissen sehen. Ich bekam einen Einblick in das politische Leben hier, in das Arbeiten von der verschiedenen NGOs und wie Geld oft einfach nur verschleudert wird.
Die komplexität europäischer Vorgänge, die Naivität und Zerstörung europäischer Entwicklungszusammenarbeithilfe und die Vorstellung was wäre würde es diese Hilfe nicht geben.
Ein Besuch in einem Geschäft, man steht in der Reihe und wartet 20min ohne das sich irgendetwas belegt, die 4 Schalter sind besetzt doch nur eine Person arbeitet. Die anderen schwatzen und geniessen den Nachmittag. Ein Bild das den Alttag hier bestimmt, ein Bild das die Entwicklung bestimmt, und ein Bild das sämtliche europäischen Ansätze mehr oder weniger scheitern lässt.
Ein Jahr, viele Eindrücke, wenig Sport (zum Ende hin wurde es besser), kein Schnee, kein Adventssingen, kein Chor, kein Teenstreet, und doch hat es sich voll ausgezahlt.
Ich habe euch zuhause vermisst, aber immer nur am Rande, sorry, den das Leben geht hier genauso weiter wie zuhause. Ich freue mich darauf, dass sich unsere Wege wieder kreuzen. Ich habe meine Prüfung an der Uni nun abgeschlossen und warte auf die Ergebnisse, das Wiedersehen mit den Schladminger Tauern steht kurz bevor.
Liebe Grüsse,
think!!
Tags: Auslandsdienst, back, review, Zambia, Zivildienst
This entry was posted on Mittwoch, August 31st, 2011 at 22:24 and is filed under Dienst, Gedanken, Zambia. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.
